Pflaumheim im Bachgau

Plumheim und der Plumgau

      Pflaumheim hat eine geschichtsträchtige Vergangenheit. An den Ausläufern des Odenwaldes zur Mainebene hin gelegen, war der Ort mit seinem fruchtbaren Lößboden schon frühzeitig ein bevorzugtes Siedlungsgebiet, wie Funde von Ausgrabungen bezeugen. Spuren menschlichen Lebens gehen bis in die jungsteinzeitliche Kultur der Bandkeramiker vor rund 5000 Jahren zurück. Ähnliche Beweise gibt es auch  für die Nachbarorte Großostheim und Wenigumstadt. 

 

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     Ein prachtvolles Fundstück ist eine silbervergoldete Tierkopffibel mit Almandineinlage aus einem reichen Frauengrab des 6. Jahrhunderts aus der Pflaumheimer Sandgrube, die sich im Aschaffenburger Stiftsmuseum befindet. Dort und im Mainfränkischen Museum in Würzburg sind weitere Funde aufbewahrt.           

     Das alte Plumheim ist im Codex Eberhardi des Klosters Fulda in einer nicht erhaltenen Urkunde erwähnt, deren Entstehung auf den Zeitraum 780 bis höchstwahrscheinlich spätestens 799 eingegrenzt wird.  Auf diese Erwähnung stützte sich die 1200-Jahr-Feier Pflaumheims im Jahre 1994.  Zur bleibenden Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis hat der Vereinsring am Kirchweihsamstag des Jahres 1994, auf dem späteren Ludwig Löffler-Platz gegenüber dem Rathaus, eine über zwei Meter hohe Stele aufgestellt, die der in Pflaumheim aufgewachsene Steinmetzmeister, Bildhauer und Restaurator Martin Stein aus rotem  Mainsandstein kreiert und angefertigt hat.          

     Pflaumheim gehörte einst zum mittelalterlichen Pflaumgau oder auch Plumgau, der jedoch keine Verwaltungseinheit, sondern nur ein geografischer Begriff gewesen war, der neben dem Maingau einen zwar geringeren, aber doch selbstständigen Platz eingenommen hat. Von diesem Pflaumgau hat unser Dorf auch seinen Namen, wie Heimatforscher nachweisen und Plumheim sogar als Kern dieses Gaues bezeichnen, wiewohl der Ort umgekehrt auch der Namensgeber gewesen sein könnte. Der Name Pflaumheim hat nichts mit der köstlichen Pflaumenfrucht zu tun, sondern  nach seinem ursprünglichen Namen Plumheim (althochdeutsch pluomo) in einem Gebiet liegt, das reich an Graswuchs und Wiesenflächen ist.  Von daher ist es auch zu verstehen, wenn unser Dorf in der Mundart noch heute Ploume heißt. Der Bach, der vom Odenwald kommend durch das Tal fließt, trägt im hessischen Gebiet noch  den Namen „Pflaumbach“. Er wurde dann allerdings in unserem Bereich in Welzbach umbenannt.  

 

Das älteste historische Rathaus

 

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        Im Zentrum des Ortskerns steht das historische Rathaus aus dem Jahre 1548, das Älteste im Landkreis Aschaffenburg. In den Jahrhunderten seines Bestehens war es zuletzt etwas herunter gekommen und wäre in den 1960er Jahren nach dem Mehrheitswillen fast abgerissen worden, wenn nicht eine kleine Gruppe von idealistischen Bürgerinnen und Bürgern unter Anführung des Gemeinderats und späteren zweiten Bürgermeisters Ludwig Löffler (†1998), von den maßgeblichen Behörden unterstützt, für die Erhaltung des historischen Gebäudes gekämpft hätten. „Schon allein der Standort des Rathauses mitten auf der Straße sei es wert, das Haus zu erhalten“, kommentierte damals das Landesamt für Denkmalpflege. 1982 wurde der Abschluss der grundlegenden Renovierung festlich begangen und im Jahre 1998 das 450-jährige Jubiläumsfest ausgiebig gefeiert.

 

Die Luziakirche ist einmalig

 

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         Etwas erhöht steht die im Jahre 1920 eingeweihte Pfarrkirche St. Luzia, die an gleicher Stelle schon zwei Vorgängerinnen hatte. Um 1400 ist eine erste kleine Kirche nachgewiesen. 1773/74 wurde ein größeres Gotteshaus errichtet und  vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914, konnte auf  die heutige Kirche gerade noch das Dach aufgebracht werden.  Diese Kirche und sicherlich auch schon  die Vorgängerin hat die heilige Luzia als Patronin. Die Luziaverehrung in Pflaumheim wird durch eine kleine, dieser Heiligen geweihten Glocke aus dem  Jahre 1440 bezeugt. Dieses Glöckchen hängt heute auf dem Leichenhaus und läutet für die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg. Die Pflaumheimer Kirche ist die einzige Luziakirche in der Diözese Würzburg. Sie wurde am 12. Oktober 1920 vom Bamberger Erzbischof Dr. Jacobus von Hauck konsekriert.

 

 

         Die Pflaumheimer Luziakirche wurde von dem damals zum Mainzer Dombaumeister berufenen Professor Ludwig Becker geplant und auch gebaut. In dem Genehmigungsbescheid der königlich bayerischen Baubehörde wird die Kirche „als zu opulent bezeichnet, die besser in eine Stadt passe als auf das Land“. Das Bild zeigt den alten Chorraum mit dem Hochaltar aus der Zeit vor der Umgestaltung  in den Jahren 1966/67. 

 

Zahlreiche Bildstöcke aus heimischem Sandstein 

         
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     Im Ortsbereich und in der Gemarkung stehen zahlreiche Bildstöcke aus  Pflaumheimer Sandstein, die an den in früheren Jahrhunderten stark vertretenen Beruf der einheimischen Steinmetze erinnern. Der älteste Bildstock ist der Schneidersbildstock am Pfarrhaus aus dem Jahre 1520, der am Schaft eine reliefierte Schere zeigt.

      Neu ist der mit fünf Bildstöcken ausgestaltete „Passionsweg“ zur Annakapelle. Dazu wurde 1997 ein „Förderkreis Kreuzweg“ gegründet, aus dem finanzielle und materielle Hilfe kam. Das Ehepaar Roswitha und Reinhold Brunn gelten als die Initiatoren dieses Gebetsweges. Die Bildstöcke wurden von dem  Steinmetzmeister und Bildhauer Martin Stein im Jahre 1999 geschaffen, für die witterungsbeständiger roter Mainsandstein verwendet wurde. Am 3. Oktober 1999 wurde der Passionsweg von dem in Pflaumheim geborenen und aufgewachsenen Pfarrer Wendelin Lieb kirchlich gesegnet.

 

Annakapelle mit Weitsicht

 

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     Ein Kleinod ist die Annakapelle auf der Annahöhe in der Pflaumheimer Gemarkung. Die Kapelle wurde 1844 errichtet. Sie hatte eine Vorgängerin aus dem Jahre 1503, die näher an der Hochshohl stand. Die heutige Kapelle wurde in den frühen  2000er Jahre unter beispielhaftem Engagement von den Eheleuten Meta und Friedbert Zahn, unterstützt durch großzügige Spenden und praktischem Arbeitseinsatz Vieler, gründlich renoviert und am Anntag (26.7.) 2005 von dem aus Pflaumheim stammenden Pfarrer Wendelin Lieb kirchlich gesegnet.  Alljährlich am Annatag wird hier im Wechsel mit den Großostheimer Pfarreien ein Gottesdienst gefeiert, der von den Bachgaubewohnern gerne und stark besucht wird. Von der Höhe aus hat man einen herrlichen Ausblick auf den Bachgau, die Mainebene bis nach Frankfurt und zum Taunus.

 

Text: Lothar Rollmann   Bilder: Alfred Wagner (5), Lothar Rollmann (1)

Zusammengestellt und bearbeitet von Herbert Rachor.

 


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