Die Luziaglocke

Heller Klang kommt vom Silber

 

Die Verehrung der heiligen Luzia in Pflaumheim geht auf eine jahrhundertealte Tradition zurück. Sichtbarer Zeuge ist eine Glocke, die aus ihrer „Vergessenheit“  hervorgeholt wurde, um nun wieder den ihr entsprechenden Dienst zu tun. Die Glocke hing, abgesehen von einiger Unterbrechung, seit 1934 im Glockentürmchen des alte Rathauses und hängt jetzt auf dem Turm am Leichenhaus im neuen Friedhof. Dort lässt sie als Sterbeglocke ihre „Stimme“ ertönen und begleitet die verstorbenen auf ihrem letzten Weg.

Die Glocke ist der heiligen Luzia geweiht und wurde 1440 gegossen. Sie ist 214 Kilogramm schwer, der Durchmesser beträgt 62 Zentimeter. Die Glocke trägt zwischen zwei Reifen in gotischen Minuskeln die Umschrift: „gloria in excelsis de sta. Lucia a. d. mccccxxxx“ (1440). Nach der Überlieferung soll die Glocke Silber enthalten und klinge deshalb so hell. Von 1440 bis 1930 hing die Glocke auf dem Turm der alten Kirche, bis sie dem damals neuen Geläute Platz machen musste. 1930 hing man sie in das Türmchen des alten Rathauses. Welchen Zweck sie dort erfüllen sollte, ist nicht bekannt. Vermutlich sollte sie einen Ehrenplatz erhalten. Wegen ihres Alters, auch wegen der Überlieferung sie enthalte Silber, überstand sie die schwere Zeit des letzten Krieges, wo auch in Pflaumheim die Glocken für Rüstungszwecke vom Kirchturm geholt und eingeschmolzen wurden. Zusammen mit einer zweiten, die der damalige Pflaumheimer Pfarrer  Anton Bieber 1942 in Dettingen kaufte, wurde sie wieder auf den Kirchturm zurück gebracht. 1949 wurde das neue Geläute angeschafft und die Luziaglocke fand wieder auf dem Rathausturm ihren Platz. Nach dem Bau des neuen Pflaumheimer Friedhofs wurde die Glocke in den Turm des 1966/67 erbauten Leichenhauses  verbracht und lässt seit dem dort ihre "Stimme" erklingen.

Diese altehrwürdige Glocke ist mit der Verehrung  der Pflaumheimer Kirchenpatronin, deren Namen sie trägt eng verbunden. Das Alter der Verehrung der Heiligen Luzia wird noch anschaulicher, wenn man als Maßstab Welt und Heimatgeschichte vergleicht. So ist die Luziaglocke noch 52 Jahre älter als der an der bayerisch-hessischen Grenze stehende Warturm, das Wahrzeichen des Bachgaues, der 1492 erbaut wurde, im gleichen Jahr, in dem Kolumbus Amerika entdeckte. Sie ist auch noch über hundert Jahre älter als das Pflaumheimer Rathaus, das 1548 erbaut wurde und als das älteste Rathaus im Landkreis Aschaffenburg und im weiten Umkreis gilt.

 

 

Die Luziaglocke hängt heute im Turm am Leichenhaus auf den neuen Pflaumheimer Friedhof und begleitet mit ihrer "Stimme" die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg.

 

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Text: Lothar Rollmann, Bild: Alfred Wagner, Bearbeitet von Herbert Rachor

 

 

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